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ESSLINGEN: Erich Koslowski begeistert Publikum mit seinem Solo-Programm „Bettnäss-Wellness“ im Keller der Galgenstricke

Von Sabine Försterling


Willkommen in der Altersvollzugsanstalt mit sterbenslänglich, auf der Ü80-Party mit Fingerspielen und Gehirn-Jogging. Erich Koslowski mit zerschlissenem Strohhut, zwei Brillen im Revers der Jacke im dezenten Nadelstreifen-Look und in rosa-grün gemusterten Hosen hat auch gleich die wichtigsten Utensilien
mitgebracht: Einen Gehwagen, einen abgegriffenen Stock und eine gehörige Portion Zynismus sowie schwarzen Humor. Kann man über Demenz und Inkontinenz lachen? Man kann, wie das Publikum bei der Premiere des ersten Solo-Programms „Bettnäss-Wellness“ des Kabarettisten im Keller der Galgenstricke beweist.Koslowski in der Rolle seines Alter Ego regt sich herrlich mit russlanddeutschem, preußischem und schlesischem Touch über die Ungerechtigkeiten auf, die ihm, dem schrulligen Alten, tagtäglich widerfahren. Der Galgenstrick zitiert aus der Charta der Rechte für pflegebedürftige Menschen von Familienministerin Ursula von der Leyen, wirft mit Statistiken um sich und feuert Wortsalven gegen die Politik ab. Koslowski hatte im Vorfeld zum Thema Pflegenotstand ausführlich recherchiert und meistert nun die Gradwanderung, ein gesellschaftliches Tabu auf die kabarettistische Bühne zu holen, bestens.Das Publikum ist im Geiste schon auf das Programm vorbereitet und vor der Premiere und auch während der Pause
macht der ein oder andere Scherz über die angebliche Demenz des Freundes die Runde. Humor und Sarkasmus gehöre angesichts des Themas nun einmal dazu. Willkommen bei der Ü80-Party: Und so recken die Zuschauer beim Fingerspiel bereitwillig die linke Hand in die Höhe.


Die Welt im Klimakterium


35-Jährige würden heutzutage inzwischen ein Navigationsgerät benötigen, um die paar Schritte zum Bäcker zu bewältigen, macht sich Koslowski über eine Modeerscheinung lustig. Da in Deutschland gern Lotto gespielt werde, komme es auch einem Gewinn gleich, in welchem Pflegeheim man lande. Über den „Todesengel der Charite“ landet der Kabarettist dann bei der Schwiegertochter. Jeder zehnte Alte werde in der Familie geschlagen. Da heiße es für die Alten nur raus auf die Straße. Doch dort herrsche ebenfalls Krieg. Zudem werde es immer heißer. Die Welt befinde sich nämlich in einem Klimakterium. Ganz nebenbei outet sich Erich Koslowski im Nebenberuf als Leiter der „Residemenz Schlossgut Lady Di“. Mit seinem Rentner-Ferrari rollt er dann auf die Bühne und regt sich über die zukünftige Helmpflicht auf. Außerdem könne er nicht zugeben, dass er laufen könne, sonst bezahle die Pflegeversicherung seine ihn pflegende Philippinerin nicht mehr. Der Kabarettist schlüpft in drei Rollen. Der Heiminsasse beschwert sich über seine zu engen Windeln. Der Heimleiter erhält die Ankündigung eines Kontrollbesuches und das Alter Ego regt sich über die Zustände wie Essen aus Blechnäpfen und Filme mit dem Titel „Die SPD stirbt langsam Teil Hartz IV - eine Apo- Kalypse“ auf. Einem Mörder gehe es besser, sinniert Kolowski. Der bekomme nämlich lebenslänglich im Gegensatz zur Altersvollzugsanstalt: Dort heiße es sterbenslänglich mit der Strafzumessung Sarg.

21.07.2007